Bliktrommerne

Niels Agerskov

Studenteropgave: Speciale

Abstrakt

Deutsches Resümee In dieser Abschlussarbeit wird untersucht, wie sich die zwei dänischen Übersetzungen des Günter Grass-Romans Die Blechtrommel von einander unterscheiden. Die Hauptfragestellung ist, welche Übersetzungsstrategien die zwei Übersetzer – Mogens Boisen (1961) und Per Øhrgaard (2009) – benutzt haben, und wie die zwei dänischen Ausgaben der Blechtrommel im Ganzen durch diese Strategiewahl geprägt worden sind. Diese Fragen werden sowohl im übersetzungstheoretischen als auch im kulturellen Kontext beantwortet. Die Analyse ist somit in zwei Teile aufgeteilt. Für die übersetzungstheoretische Untersuchung sind drei unterschiedliche Theorien ausgewählt worden: Die Äquivalenz-Theorie von Eugene Nida, die Skopos-Theorie von Hans Vermeer und die Arbeit der zwei Theoretiker Lawrence Venuti und Antoine Berman. In groben Zügen hält Nida Inhalt für wichtiger als Form, wenn es beim Übersetzen keine optimale Lösung gibt. Im Gegenteil zu diesem Gesichtspunkt stehen Venuti und Berman, die beide dafür plädieren, dass eine Übersetzung dem Originaltext (oder Quellentext) so ähnlich nahe wie möglich sein sollte. Vermeer verhält sich zu dieser Frage relativ neutral; für ihn spielt dagegen der Zweck der jeweiligen Übersetzung die größte Rolle. Die kulturelle Dimension wird aus der Sicht von zwei Theorien – der Polysystem-Theorie von Itamar Even-Zohar und der Norm-Theorie von Gideon Toury – untersucht. Even-Zohars Polysystem-Theorie beschreibt, wie sich die Literatur innerhalb eines literarischen Systems von vielen Elementen beeinflussen lässt. Tourys Norm-Theorie ist eine Weiterentwicklung der Polysystem-Theorie mit besonderem Fokus auf Normen innerhalb eines literarischen Systems. In der übersetzungstheoretischen Untersuchung dieser Abschlussarbeit werden zehn Textbeispiele aus den zwei Übersetzungen der Blechtrommel analysiert. Die Beispiele sind in fünf verschiedene Kategorien aufgeteilt: Neologismen, Syntax, Wortspiele, Lyrische Elemente und kulturgebundene Phänomene. Diese Analyse zeigt mit großer Deutlichkeit, dass es wesentliche Unterschiede zwischen den zwei dänischen Übersetzungen gibt. Mogens Boisen (1961) benutzt oft Strategien, die wie geläufiges Dänisch erscheinen. Das Ergebnis ist ein dänischer Text, der zwar relativ lesbar ist, der aber auch viele Elemente auf verschiedenen Ebenen des Quellentextes auslässt. Ganz im Gegenteil dazu befindet sich Per Øhrgaard (2009), der sich dem Originaltext gegenüber sehr treu verhält. Die Strategiewahl des Letzteren führt dazu, dass die neue Übersetzung schwer zu lesen ist, da z. B. die Syntax ab und zu eher deutsch als dänisch ist. Dass die Übersetzung sich so an das Original anlehnt, bedeutet aber auf der anderen Seite, dass diese Version im Vergleich zu der Früheren mehrere Nuancen des Originaltextes beibehält. Die strategische Wahl der zwei Übersetzer lässt sich relativ gut erklären anhand ihrer respektiven übersetzungstheoretischen Gegenwart. Am Anfang der 1960’er war einer der herrschenden Theorien Eugene Nidas Theorie der dynamischen Äquivalenz, die sich dafür einsetzt, den Inhalt über die Form zu setzen – eine Strategie, die in Boisens Übersetzung oft vorkommt. Anders verhält es sich mit Per Øhrgaard, da seine Übersetzung nicht als Mainstream seiner Zeit bezeichnet werden kann. Obwohl es im Jahre 2009 (und 2010) eine übersetzungstheoretische Bewegung gibt, die dem Originaltext gegenüber sehr treu ist (vgl. Lawrence Venuti), sind die meisten Übersetzungen immer noch eher an der Zielkultur orientiert als an der Kultur des Quellentextes. Die Unterschiede zwischen den zwei Übersetzungen lassen sich auch durch die kulturelle Entwicklung in Dänemark von 1961 bis 2009 erklären. Die Entwicklung wird in dieser Abschlussarbeit anhand Buchrezensionen dänischer Zeitungen untersucht. Die Analyse wird auf zwei Ebenen durchgeführt, womit das Folgende untersucht wird: 1) Ob der Rezensent/die Rezensentin dem Leser die relevante Informationen über die Übersetzung beibringt, und 2) Wie der Rezensent/die Rezensentin sich persönlich zu der Strategiewahl der Übersetzer verhält. Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass die drei Rezensenten im Jahre 1961 nur in geringem Umfang dem Leser Relevantes beibringen. Darüber hinaus ziehen die Rezensenten von damals hauptsächlich Übersetzungsstrategien vor, die sich an die Zielkultur richten. Ein bisschen anders verhält es sich im Jahre 2009. Zwei von den vier Rezensenten arbeiten wie die Rezensenten im Jahre 1961. Mit den zwei anderen verhält es sich anders. Der Eine erklärt ganz deutlich, welche Stärken und Schwächen die beiden Übersetzungen besitzen, und kommt dadurch zu dem Schluss, dass die neue Ausgabe fast unlesbar ist, weshalb er die Alte vorzieht. Die letzte Rezensentin vergleicht minutiös die neue Übersetzung mit der Älteren und spricht ihre Anerkennung darüber aus, dass Per Øhrgaard mit seiner Übersetzung die dänische Sprache bereichert hat. Daraus lässt sich schließen, dass es einen Unterschied (wenn auch keinen großen) zwischen den dänischen literarischen Systemen im Jahre 1961 und 2009 gegeben hat, was vermutlich teilweise dazu beigetragen hat, dass es so große Unterschiede zwischen den beiden dänischen Ausgaben der Blechtrommel gibt.

UddannelserTysk, (Bachelor/kandidatuddannelse) Kandidat
SprogDansk
Udgivelsesdato15 sep. 2010
VejledereKaren Sonne Jakobsen

Emneord

  • oversættelse, translation, übersetzung